Resilienz gehört inzwischen zu den Begriffen, denen man überall begegnet. In Büchern, Podcasts, Seminaren und sozialen Medien wird sie häufig als eine Art innere Stärke beschrieben, als Fähigkeit, Krisen zu meistern, Herausforderungen zu bewältigen und auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben.
Daran ist nichts falsch.
Und dennoch habe ich manchmal den Eindruck, dass dadurch ein Bild entsteht, das viele Menschen unter Druck setzt.
Denn wer resilient sein möchte, müsste dann vor allem belastbar sein. Stark. Widerstandsfähig. Jemand, der auch in schwierigen Zeiten nicht ins Wanken gerät.
In meinen Coachings begegnen mir regelmäßig Menschen, die genau diesen Anspruch an sich selbst haben. Sie übernehmen Verantwortung, kümmern sich um andere, halten Termine ein und versuchen, den unterschiedlichen Anforderungen im Beruf und Privatleben gerecht zu werden.
Die meisten von ihnen leisten bereits sehr viel, oft sogar mehr, als ihnen selbst bewusst ist.
Gleichzeitig erzählen viele von innerer Unruhe, schlechterem Schlaf oder dem Gefühl, dauerhaft angespannt zu sein. Manche berichten, dass sie kaum noch abschalten können. Andere stellen fest, dass sie schneller gereizt reagieren oder sich nach freien Tagen längst nicht so erholt fühlen wie früher.
Interessant ist, dass diese Signale häufig nicht sofort als Warnzeichen verstanden werden.
Stattdessen gibt es meist eine Erklärung: eine stressige Phase, viel Arbeit, zu wenig Urlaub. Und oft folgt der beruhigende Gedanke: Das geht schon wieder vorbei.
Belastung entsteht jedoch selten von heute auf morgen. Sie entwickelt sich meist schleichend und wird gerade deshalb lange nicht ernst genommen. Wer gewohnt ist, viel zu leisten, bemerkt häufig erst spät, wie viel Energie bestimmte Situationen tatsächlich kosten.
Dabei bedeutet Resilienz aus meiner Sicht nicht, alles auszuhalten.
Und auch nicht, immer stark sein zu müssen.
Vielmehr geht es darum, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, bevor sie überschritten werden. Es geht darum, auf die Signale des Körpers zu achten und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, statt sie dauerhaft hintenanzustellen.
Resiliente Menschen vermeiden Belastungen nicht. Das wäre weder realistisch noch wünschenswert. Herausforderungen gehören zum Leben dazu. Der Unterschied liegt häufig darin, wie bewusst Menschen mit ihnen umgehen.
Sie nehmen Veränderungen früher wahr, erkennen, wann eine Pause notwendig ist, und erlauben sich, Unterstützung anzunehmen, bevor die Erschöpfung zu groß wird.
Immer wieder fällt mir auf, wie gut wir darin geworden sind, Termine, Projekte und Verpflichtungen zu organisieren. Wir wissen, wann das nächste Meeting beginnt, wann eine Frist endet oder wann wir losfahren müssen.
Deutlich schwerer fällt es vielen Menschen, die eigene Energie im Blick zu behalten.
- Wie geht es mir eigentlich gerade?
- Was gibt mir Kraft?
- Und was kostet mich dauerhaft Energie?
Diese Fragen wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Im Alltag gehen sie jedoch oft zwischen To-do-Listen, Verantwortlichkeiten und Erwartungen verloren.
Vielleicht beginnt Resilienz genau dort, nicht bei der Frage, wie viel wir noch schaffen können, sondern bei der Frage, wie gut wir für uns selbst sorgen.
KLEINE IMPULSE FÜR DEN ALLTAG:
- Achten Sie bewusst auf erste Warnsignale wie Schlafprobleme, Gereiztheit oder Konzentrationsschwierigkeiten.
- Planen Sie Pausen genauso selbstverständlich ein wie Termine.
- Fragen Sie sich regelmäßig, was Ihnen aktuell Energie gibt und was Ihnen Energie raubt.
- Erlauben Sie sich, Unterstützung anzunehmen.
- Begegnen Sie sich selbst mit derselben Freundlichkeit, die Sie anderen Menschen entgegenbringen.
Resilienz entsteht, wenn wir lernen, aufmerksam mit unseren eigenen Kräften umzugehen.
Und manchmal beginnt dieser Prozess mit einer ganz einfachen Frage:
Wie geht es mir eigentlich wirklich?
Wenn Sie sich in diesem Thema wiederfinden, begleite ich Sie gerne dabei, wieder mehr Klarheit, Balance und innere Stabilität zu gewinnen – im Rahmen eines Coachings oder eines Workshops für Unternehmen und Teams.